Blogvorstellung „Kopfschmuck“ von Melanie

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Kopfschmuck Melanie Blogvorstellung

Ich finde es immer ganz wunderbar, wenn Menschen aufeinandertreffen, die dieselben Probleme haben. Für uns Haarausfall-Geplagte gibt es da tolle Gruppen – online wie im realen Leben – in denen man sich austauschen, helfen und auch motivieren kann.  Allerdings erreicht man so eben nur die Menschen, die eben auch in diesen Gruppen sind. Daher ist das immer schön, wenn man Menschen im Internet findet, die ebenso offen mit ihren Problemen umgehen und darüber schreiben.

Vor kurzem habe ich Euch hier ja schon den Blog von Maria vorgestellt. Heute freue ich mich über eine weitere Alopecia-„Kämpferin“. Auch Melanie leidet unter Haarausfall und betreibt den Blog Kopfschmuck, der sich ebenfalls mit dem Thema auseinandersetzt. Damit Ihr sie besser kennenlernt, habe ich mit Ihr auch ein Interview geführt.

Sandra: Liebe Melanie, es freut mich sehr, dass auch Du einen Blog betreibst, in dem es um das Thema Alopecia areata geht. Stelle Dich doch bitte einfach mal kurz vor.

Melanie: Hallo Sandra, lieben Dank, dass ich mich auf Deinem Blog kurz vorstellen darf. Ich bin 43 Jahre, verheiratet und seit ca. 5 Jahren an Alopecia universalis erkrankt. Ich wohne im schönen Rheinhessen, umgeben von Weinbergen und ganz vielen lieben Menschen.

Sandra: Wie und wann hast Du bemerkt, dass da etwas mit Deinen Haaren nicht so ist, wie es sein sollte. Wann hast Du die Diagnose erhalten?

Melanie: Ich weiß es noch ganz genau: in unserem näheren Umfeld sind damals Läuse aufgetreten und ich hatte mir ein entsprechendes Mittel dagegen besorgt. Beim Auftragen auf die Haare musste ich meine Haare scheitelweise mit dem Mittel behandeln.

Und da war es: ein großes Loch in meinen Haaren! Ich war komischerweise zunächst relativ gefasst – war wohl zu sehr geschockt – aber dann wuchs in mir die Angst was das sein könnte. Bin ich ernsthaft krank? Dann habe ich sofort meinen Hautarzt konsultiert, der mir dann bei mir auch direkt Alopecia areata diagnostiziert hatte.

Blogvorstellung Kopfschmuck Melanie Interview

Sandra: Der Verlauf der Krankheit ist nie gleich. Wie war der Verlauf bei Dir? Und wie sieht es momentan aus?

Melanie: Zunächst hatte ich den Irrglauben, dass, wenn ich ordentlich Kortison auftrage, es schon irgendwann alles gut werden würde. Doch es kam anders! Ich bekam immer mehr Löcher und hatte echte Schwierigkeiten, mit den mir verbliebenen Haaren noch eine halbwegs ansehnliche Frisur hin zu bekommen.

Jeder Windhauch war mein Feind! Dann verlor ich auch nach und nach alle anderen Körperhaare. Das ist zwar im Sommer ganz angenehm, aber im Winter merkte ich direkt, dass bspw. die Nasenhaare fehlen. Da ist kein Filter mehr, der eine Erkältung abfangen kann.

Zum Schluss ging es dann ohne Zweithaar überhaupt nicht mehr und ich habe mich entschlossen die letzten Fetzen Haare auf meinem Kopf abzurasieren. Das werde ich NIE vergessen! Es war eine echt harte Zeit für mich, aber ich bin daran gewachsen und fühle mich heute gut. Das ein oder andere Haar lässt sich auf meinem Körper an diversen Stellen immer mal blicken, fällt aber meist ab einer bestimmten Länge wieder aus. Ich gehe heute locker damit um und nehme es wie es kommt.

Sandra: Welche Alternativen nutzt Du? Trägst Du Perücken? Oder sind dir Mützen und Tücher lieber? Oder bist Du gar stolzer „Baldie“?

Melanie: Als nur noch einzelne Haarbüschel auf meinem Kopf vorhanden waren, bin ich auf eine Perücke umgestiegen. Der erste Besuch in einem Zweithaarstudio war emotional nicht einfach, aber heute habe ich 6-7 verschiedene Modelle zu Hause stehen und variiere nach Lust und Laune.

Im Büro trage ich meist immer nur ein Modell aber auch da bin ich in den letzten Monaten mutiger geworden und trage auch mal unterschiedliche Looks. Tücher trage ich meist nur zu Hause, wenn ich ins Schwimmbad gehe oder mit dem Fahrrad fahre. Oder im Winter, dann tage ich auch gerne ein Tuch unter meiner der Mütze. Damit fühle ich mich am wohlsten und das ist wichtig! Darauf zu achten, dass ich mich wohl fühle, habe ich erst richtig durch die Krankheit begriffen.

Sandra: Wie ist das bei Deiner Familie? Wie geht sie mit deinem Haarausfall um?

Melanie: Meine Familie hat sich natürlich wahnsinnige Sorgen gemacht und hat geweint. Sie wissen, wie wichtig mir meine Haare waren und wie sehr ich es geliebt habe mich zu stylen. Sie waren voller Mitleid und – wie ich selbst auch – so hilflos! Alles was die Werbung so an Haarwuchsmittel zu finden war, haben sie mir mitgeteilt. Ich glaube, es war Ihre Art mit der Hilflosigkeit umzugehen und der Wunsch mir helfen zu wollen. Dafür liebe ich meine Familie!

Meine größte Stütze war und ist mein Mann, der so manchen verzweifelten Wutausbruch von mir ertragen hat und mich immer wieder aufgefangen und motiviert hat – dafür bin ich unendlich dankbar.

Sandra: Hast Du auch schon negative Erfahrungen mit Menschen gemacht? Mobbing, Lästereien bzgl. Deines Haarausfalls?

Melanie: Nein, zum Glück habe ich bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Die meisten, denen ich es später erzählt habe, waren überrascht. Sie hatten das Zweithaar nicht bemerkt und auch sonst äußerlich nichts gesehen. Irgendwann habe ich es meinen Freunden und Kollegen erzählt und die Reaktionen waren bewegend. Sie nahmen mich fest in die Arme, weinten und waren interessiert. Sie ließen mich ganz viel Wärme und positive Energie erfahren.

Blogvorstellung Kopfschmuck Melanie Interview

Sandra: Was ist dein Rat an Betroffene? Wie motivierst Du Dich selbst?

Melanie: Eine pauschale Antwort ist schwer zu formulieren, denn jeder Mensch und jede Lebenssituation ist ganz individuell. Aber wenn ich was weitergeben möchte, dann ist es vielleicht die Emotionen die Ihr in Euch habt auszuleben – egal ob Freude oder Trauer. Lasst auch die schlechten Tage zu!

Weinen, ungerecht zur Welt da draußen sein oder wütend auf das eigene Spiegelbild sein – all das gehörte zu meinem persönlichen Prozess, um mit dieser Krankheit Frieden zu schließen. Am Anfang habe ich mich gesträubt psychologische Hilfe anzunehmen, aber dann habe ich es ausprobiert und meine Therapeutin hat viele Dinge in mir bewirkt die mich stark gemacht haben. Heute kann ich ganz offen mit Dir darüber sprechen und habe sogar meinen eigenen Blog Kopfschmuck veröffentlicht. Das Leben ist schön. Auch ohne Haare.

Sandra: Liebe Melanie, ich danke Dir sehr für Deine Offenheit und die Einblicke in Dein Leben und auch auf Kopfschmuck. Ich hoffe, dass wir noch viel voneinander lesen und freue mich auf unsere geplanten Aktionen.

Was soll ich sonst noch sagen? Ist Melanie nicht eine tolle Frau? Schon als ich das Bild Ihres Shootings gesehen habe, war ich hin und weg. So ein Mut und dieses Strahlen…

Ich finde es wahnsinnig klasse, dass wir bloggende Alopecians immer mehr werden und wenn Ihr weitere Informationen zu Melanie haben möchtet oder auch den ein oder anderen Schminktip, dann schaut doch auf Ihrem Blog Kopfschmuck vorbei.

2 comments

    • storfinenblog 7 Mai, 2018 at 08:57 Reply

      Das ist sie. Ich bin ja immer noch begeistert von den Fotos, die sie beim Shooting hat machen lassen.

      Lieeb Grüße an Dich
      Sandra

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