Kostenerstattung bei Haarersatz – wieviel zahlt die Krankenkasse?

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Perücke Tücher Frisör

Wieviel zahlt die Krankenkasse für meinen Haarersatz? Das ist zweifellos die Frage, die mir hier am meisten gestellt wird. Auch in Foren und Gruppen taucht diese Frage immer wieder auf.

Wenn man bedenkt, was Haarersatz kosten kann, ist diese Frage auch angebracht. Ich wünschte nur, daß man diese so einfach beantworten kann. Das ist aber nicht so einfach möglich. Ich versuche Euch jetzt aber einen kleinen Einblick zu geben, wie es aussehen könnte.

Der Verband der Ersatzkassen e. V. (VdeK) hat eine einheitliche Regelung

Der VdeK ist ein Interessensverband der Ersatzkassen Deutschlands auf Bundes- und Landesebene. Die sechs Mitglieder sind die Barmer Ersatzkasse, DAK-Gesundheit, Hanseatische Krankenkasse, Handelskrankenkasse, Kaufmännische Krankenkasse und Techniker Krankenkasse.

Im August 2014 haben die angeschlossenen Krankenkassen eine neue Regelung bzgl. Zweithaarversorgung geschlossen. Nach dieser Vereinbarung erhalten haarlos gewordene Patienten im Regelfall 396,27 Euro. Sollte nach sechs Monaten immer noch Haarersatz erforderlich sein, erhält man nochmals denselben Betrag von 396,27 Euro. Dieser Fall betrifft vor allem die Frauen, die durch eine Krebsbehandlung vorübergehend ihre Haare verloren haben.

Für Personen, die dauerhaft Haarersatz benötigen oder Unverträglichkeiten gegen Kunsthaar haben und eine Echthaarperücke benötigen, übernehmen die Krankenkassen des VdeK 915,00 Euro. Die Übernahme erfolgt alle 12 Monate (nach einem neuen Urteil Ende 2016).

Ich selbst bin bei der KKH, der Kaufmännischen Krankenkasse, versichert und kann das mit den 915,00 Euro bestätigen, da mir diese inzwischen bewilligt wurden.

Die Innungs- und Betriebskrankenkassen zahlen nach Bundesland unterschiedlich

Ist man über eine IKK oder BKK versichert, liegt es daran, welche Betriebskrankenkasse das ist und in welchem Bundesland man wohnt. Einzelne BKKs lehnen sich an die Regelung des VdeK-Krankenkassen an. Viele haben Ihre eigenen Regelungen.

Die Bahn-BKK zahlt z. B. halbjährlich 350,00 Euro oder jährlich 650,00 Euro. Hier kann man sich entscheiden, ob man eben zweimal eine Zuzahlung beantragt und dadurch mehr erhält. Entscheidet man sich für die einmal jährliche Erstattung erhält man einen um 50,00 Euro verringerten Betrag. Keine Ahnung, warum das so ist. Weitere Informationen findet Ihr direkt hier über den Link.

Andere BKKs arbeiten oft mit Vertragspartnern in der Hilfsmittelbeschaffung zusammen. Es gibt keine festgelegten Beträge. Hier muß man also beispielsweise zu einem Zweithaaranbieter, der Partner der Krankenkasse ist, um überhaupt Ersatz zu erhalten.

Die Innungskrankenkassen arbeiten ebenfalls im Verband. Für eine Perücke zahlen die Kassen hier derzeit 290,00 Euro (Stand Februar 2017). Hier gibt es aber noch ein Verfahren mit dem Ihr mehr Geld erhalten könnt.

Die Ortskrankenkassen (AOK) kochen ihr eigenes Süppchen

Ganz anders sieht es da bei der AOK aus. Hier scheint es keine allgemeingültige Regel zu geben. Bei den Ortskrankenkassen hat nicht nur jedes Bundesland seine anderen Modalitäten. Jede AOK zahlt einen anderen einen anderen Betrag. Irgendwie hat man auch das Gefühl, daß es stark am Bearbeiter liegt, welche Unterstützung man hier erhält.

Bitte beachtet, daß dies hier keine allgemeingültige Aufstellung ist. Es gibt bestimmt auch (private) Krankenkassen, die die gesamten Kosten für eine Echthaarperücke übernehmen. Und es gibt Krankenkassen, die in solch einem Fall nichts bezahlen.

„Aber ich habe im Internet gelesen, daß die Krankenkasse alles übernimmt?“

Ich habe natürlich Anfangs auch erst mal nach Kostenübernahme der Krankenkasse gegoogelt. Hierzu gibt es viele unterschiedliche Beiträge auf den unterschiedlichsten Seiten. Hier liest man oft von Beträgen unter 200,00 Euro. Aber auch von einer kompletten Kostenübernahme.

Mein Tip für Euch: fragt dann genauer nach! Schreibt jemand, daß der gesamte Haarersatz bezahlt wurde, kann es sein, daß die Perücke eben genau so viel oder weniger als der Höchstbetrag gekostet hat oder derjenige privat versichert ist. Wie ich Euch ja hier (KLICK) schon geschrieben habe, liegt es auch am Haarersatz und was dieser kostet.

Haarersatz ist nicht gleich Haarersatz und Übernahme leider nicht gleich Übernahme.

Es macht auch auf jeden Fall Sinn, genauer bei den Krankenkassen nachzufragen und sich nicht gleich abwimmeln zu lassen.

Solltet Ihr weitere Informationen für mich haben oder Ihr Fragen zu meinem Beitrag haben, könnt Ihr mir diese gerne per Kommentar oder über das Kontaktformular übermitteln.

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4 comments

  1. Monika Neumann 18 Oktober, 2017 at 10:48 Reply

    Guten Tag,
    auch ich bin bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse versichert. Trotz der ärztlichen Verordnung für einen langfristigen Haarersatz und der Diagnose Alopecia Areata mit der Hilfsmittel-Positionsnummer 2400180013, wurde mir der Höchstbetrag für einen Echthaarersatz abgelehnt. Zugesprochen wurden mir 404,60€ für Kunsthaar. Erst bei einer nachweisbaren Allergie (durch Mdk) gegen Kunsthaar könnte eine volle Kostenübernahme erfolgen.
    Jetzt frage ich mich; kommt es hier auf den Sachbearbeiter an? Was kann ich tun?

    • storfinenblog 18 Oktober, 2017 at 13:38 Reply

      Hallo Monika,

      ich schreibe Dir dazu noch eine Nachricht. Das darf normal nicht sein. Es kann sein, daß der Arzt da evtl. etwas falsch eingetragen hat.

      Bis gleich per eMail!
      Sandra

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