Ich lasse meine Kopfbedeckung auf – oder auch: Knigge kann mich mal

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Kopfbedeckung

Das Wort Hut stammt vom Wort Huot ab und bedeutete ursprünglich Decke oder Schutz.

Ich muß mich und meinen Kopf mit einer Kopfbedeckung schützen. Eben nicht nur vor Kälte, Nässe oder Sonnenstrahlung, sondern auch vor mitleidigen oder doofen Blicken.

Nur manchmal ist das gar nicht so einfach…

Es ist noch gar nicht so lange her, da saß ich mit meiner Familie beim Essen im Restaurant. Aufgrund meines Haarausfalls trug ich diesmal einfach eine dünne Beanie, die farblich zu meinem Outfit paßte und die ich natürlich beim Betreten des Lokals nicht abnahm.

Daran störte sich ein älteres Ehepaar, das immer mal wieder mit verärgertem Blick zu mir sah. Irgendwann schien es der Mann nicht mehr auszuhalten und es platze aus ihm heraus „Jetzt kann DIE nicht mal beim Essen im Restaurant ihre Mütze abnehmen!“

In solchen Momenten kommt es darauf an, wie es mir geht und in welcher seelischen Verfassung ich bin, um darauf zu reagieren.

So kommt es vor, daß ich solche Kommentare mit einem müden Lächeln ignoriere oder auch, daß ich ziemlich deutlich meine Meinung kund tu. Ich allerdings spreche die jeweilige Person persönlich an.

Oder aber mir geht es so gut, daß ich dem Wunsch nachkomme und meine Kopfbedeckung abnehme. Sollen sie doch sehen, warum ich eine Mütze trage.

verchiedene Hüte

Knigge sagt aber…

Knigge sagt in diesem Fall tatsächlich nichts. Zumindest nichts Genaues.

Früher galt: Kappe, Hut oder sonstige Kopfbedeckung wurde als Zeichen der Höflichkeit beim Betreten von Räumen abgesetzt. War man unterwegs, wurde durch kurzes Anheben des Hutes gegrüßt und mit dieser Geste Respekt ausgedrückt.

Vor allem ältere Menschen legen auch heute noch Wert darauf, daß man in geschlossenen Räumen seine Kopfbedeckung abnimmt. Sonst wird man schnell mal schief angesehen oder auch für manierlos gehalten.

Heute ist es so, daß die Kopfbedeckung auch oftmals ein Accessoire ist, um das Outfit zu komplettieren.  Hüte und Mützen werden immer mehr zu Modeaccessoires, die bei Frauen und Männern immer beliebter werden. Man denke hier nur an das bekannte Pferderennen in Ascot.

Wichtig ist lt. Knigge hier nur, daß die Kopfbedeckung keine Kommunikationsbarriere ist oder das Gesicht verdeckt.

Das gilt insbesondere für die sog. Baseballcaps/Schirmmützen. Möchte man diese nicht ganz absetzen, dreht man sie einfach um, sodaß der Schirm nach hinten zeigt.

Jungen Menschen ist das egal

Es sind tatsächlich immer wieder die Älteren, die sich daran stören, wenn man in bestimmten Situationen eine Kopfbedeckung nutzt.

Jüngeren Leuten – und ich halte mich mit 40 für jung – ist es meist egal, wer, warum und weshalb jemand eine Kopfbedeckung trägt. Egal ob es sich um einen Hut, eine Mütze oder auch eine Baseballkappe handelt.

Eine Kopfbedeckung zu tragen, mag zwar nicht immer höflich sein. Dennoch sollte sich jeder bewußt sein, daß es Situationen gibt, in denen der Träger seine Mütze oder den Hut absichtlich trägt.

Anstatt sich lautstark darüber aufzuregen, wäre es schön, wenn man einfach mal nachfrägt, warum derjenige seine Kopfbedeckung nicht abnimmt.

Ich würde mich darüber freuen, denn so könnte ich meine Gründe dafür nennen und müßte mich nicht über Intoleranz ärgern.

In oben genannten Fall klappte übrigens das mit dem Lächeln und Ignorieren ganz gut.

15 comments

    • storfinenblog 10 März, 2017 at 10:33 Reply

      Hmm,
      ich denke, in der Schule bzw. Unterricht ist das nochmals was andres.
      Aber wenn Du jetzt z. B. wüsstest, daß eine Deiner Schüler/innen entweder Haarausfall oder Krebs hätten und sie eine Beanie auf…
      Würdest Du dann wirklich darauf bestehen, diese abzunehmen?

      Liebe Grüße an Dich

  1. Sabiene 12 März, 2017 at 21:37 Reply

    Das stimmt gar nicht! Lass deinen Hut ruhig auf! Denn laut Knigge darf die Dame von Welt durchaus ihre Kopfbedeckung auflassen, weil diese – im Gegensatz zu den Männern – ein essentieller Bestandteil der Frisur ist.
    Du befindest dich also auf der korrekten Seite.
    LG Sabienes

    • storfinenblog 13 März, 2017 at 15:23 Reply

      Ich habe selbst im Forum nachgefragt. Da waren sich die Leute nicht so sicher. Na dann – dann weiß ich ja, mit was ich bei Bedarf kontern kann!

      Liebe Grüße zurück!

      • Sabiene 23 März, 2017 at 21:33 Reply

        Meine Eltern hatten einen uralten Knigge im Regal. Und diese Aussage war eine der wenigen, die ich mir als Kind gemerkt habe.
        Obwohl ich niemals einen Hut trage …
        LG Sabienes

  2. Häsin 19 März, 2017 at 20:53 Reply

    Oh Schreck, was hätte der alte Herr wohl für ein Gesicht gemacht, wenn Du die Beanie vor seinen Augen abgezogen hättest…. er wäre sicher vor Scham in Grund und Boden versunken.
    Es tut mir leid, dass Du solch Situationen und Äußerungen ertragen musst :-/

    Ich persönlich bin da nicht so traditionell: von mir aus kann die Mütze draufbleiben.
    Liebe Grüße

  3. Baddl 23 November, 2018 at 09:45 Reply

    Hallo,

    Also was ich wiederum nicht verstehe, ich bin selbst chronischer Snapback/Kappen träger und ich finde wennn einer seine Kappe trägt kann es mehrerer Gründe haben z.B: Krankheitsbedingt oder es hat was mit den Selbstwertgefühl zu tun. Denn bei mir ist es nämlich aus dem selbstwertgefühl, denn ich fühle mich damit besser und fühle mich gut aussehender. Deswegen finde ich es auch widersprüchlich das Frauen sie tragen dürfen und Männer nicht ( so viel zum Thema Gleichberechtigung). Was ich auch schwachsinning finde, dass es respektlos und unhöflich wäre. Denn ich finde es wiederum respektlos, wenn jemand zu mir kommt und sagt keine Kappen in geschlossenen Räumen.(BULLSHIT). Anstatt zu fragen warum ich sie denn trage.

    Und jedesmal hört man nur, dass es nur von den älteren Leuten kommt ab Ü45. ich sag auch nicht keine Zahnprotesen in geschlossenen räumen. Soll ich da auch sagen entschuldigung das klappern ihrer Zähne ist unhöflich.

    Und es nirgendswo gesetzlich festgelegt, dass man keine Kappen in geschlossenen Räumen tragen darf.

    Übrigens ich bin selbst 23 und bin fest im Berufsleben und habe die nötige Reife erlangt um hier mein Statement abzugeben.

    MFG

    • Storfine 23 November, 2018 at 14:57 Reply

      Hallo Baddl,

      danke für Deinen Kommentar. Und es spielt auch gar keine Rolle, in welchem Alter man ist. Deine Meinung darfst Du hier gerne kund tun.

      Und eigentlich bestätigst Du nur das, was ich auch geschrieben habe und denke: Knigge ist in dem Fall doof und ich handhabe es genauso wie du. Mich interessiert nicht, was man „darf“ oder nicht. Mir geht es ähnlich wie Dir.

      Darum ja auch der Titel „Knigge kann mich mal“ ;o)

      Ich wünsche Dir alles Liebe
      Sandra

  4. Klaus 26 Januar, 2019 at 01:43 Reply

    Es ist nun mal so und es muss nicht über alles und jedes diskutiert werden: Frauen dürfen, Männer nicht! Das mit dem Selbstwertgefühl ist nicht verständlich, Selbstwertgefühl fehlt, wenn es dazu einer Kopfbedeckung bedarf – umgekehrt ist richtig. Mich wurmt es, dass sich viele Künstler auf Grund Ihrer eigenen Eitelkeit über gutes Benehmen hinwegsetzen.

    • Storfine 27 Januar, 2019 at 18:46 Reply

      Lieber Klaus,
      Künstler sind eben Kunstfiguren und zur Kunst gehört auch, dass sie sich über Etikette hinwegsetzen.
      Wenn man erkrankt ist, dann finde ich es auch völlig legitim, eine Kopfbedeckung aufzulassen. Egal ob Mann oder Frau.
      Da brauch ich auch nicht diskutieren – ich zieh da mein Ding durch.
      Liebe Grüße

  5. Alexander 11 Februar, 2019 at 10:32 Reply

    Eine reichlich postbubertäre Haltung einer 40jährigen. Ich darf daran erinnern, dass wir einem Kulturraum zugehörig sind, dessen Geschichte und Traditionen maßgeblich zur Herausbildung solch wesentlicher Werte und Tugenden wie Höflichkeit und Respekt beigetragen haben. Höflichkeit und Respekt, wie übrogens auch Liebe, leben von Symbolen, von Gesten, die einer ansonsten unsichtbaren inneren Haltung Ausdruck verleihen sollen. Wer die Kulturgeschichte verwirft, darf sich nicht wudern, dass auch alle darauf gründenden Werte verschwinden – was wir ja täglich beobachten müssen, wie Sie selbst sagen: Jungen Menschen ist das Egal. Sie aber, anstatt gegen diese Gleichgültigkeit anzuschreiben, erheben diese Wurstigkeit geradezu zur Norm, welche unsere Kultur außer Kraft setzt. Sie reden damit letztlich der Erziehungsverweigerung das Wort, wobei Sie sich der mittelfristigen Konsequenzen wahrscheinlich gar nicht bewusst sind.

    Ich hoffe, das kommt jetzt nicht zu scharf rüber, aber ich bin 50 und habe als Vater und Lehrer sehr viel mit den Heranwachsenden zu tun, wobei mir die häufig anzutreffende kulturelle Verwahrlosung große Sorgen bereitet.

    • Storfine 11 Februar, 2019 at 12:27 Reply

      Hallo Alexander,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Leider scheinen Sie aber den Hintergrund meines Beitrages nicht verstanden zu haben bzw. nur diesen kleinen Teilaspekt dieser Seite gelesen zu haben.

      Vor allem diesen Teil Eine Kopfbedeckung zu tragen, mag zwar nicht immer höflich sein. Dennoch sollte sich jeder bewußt sein, daß es Situationen gibt, in denen der Träger seine Mütze oder den Hut absichtlich trägt. haben Sie dann wohl überlesen.

      Hier geht es darum, dass es Erkrankungen gibt, bei denen man lieber eine Kopfbedeckung auflässt. Stellen Sie sich mal vor, sie haben normalerweise volles Haar, aber man sieht viele einzelne Löcher. Fühlen Sie sich dann evtl. nicht auch mit Kopfbedeckung wohler? Oder lassen Sie sich lieber anstarren?

      Auch geht es mir darum, dass man durchaus seine Gründe haben kann, um Kopfbedeckung zu tragen. Nicht immer steht da Teenagerverhalten oder unreifes Verhalten dahinter.

      Anstatt mir eine postpubertäre Haltung vorzuwerfen wäre es schön, wenn Sie sich mit dem Thema kreisrunder Haarausfall nochmal näher beschäftigen bzw. Ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen genug Selbstbewusstsein mit auf dem Weg geben, auch mal gegen den Strom zu schwimmen.

      Viele Grüße
      Sandra Storfinger

      • Alexander 11 Februar, 2019 at 14:52 Reply

        Mir ist es tatsächlich um den letzten Teil gegangen, aber Ihre ganze Argumentation ist ein bisschen schwach, denn ich kannte auch eine Frau, die mit diesem Problem zu kämpfen hatte. Allerdings ist es Frauen ohnedies fast immer und überall erlaubt, ihre Kopfbedeckung aufzulassen. In geschlossenen Räumen, auch in Restaurants – das steht ja nirgends zur Debatte. Mir ging es tatsächlich um die flapsige Art, wie Sie die Konvention geradezu angreifen, als ob die Konvention das Problem sei und nicht ihr Haarausfall.

        Als meine Mutter wegen der Chemotherapie eine Glatze bekam, trug sie eine Perücke. Auch eine Möglichkeit. Doch, wie gesagt: Eine Frau kann ihren Hut fast immer und überall aufbehalten. Da war der von Ihnen zitierte ältere Herr übrigens auch falsch informiert.

        http://www.stil.de/kleider-knigge/detail/artikel/darf-eine-frau-beim-essen-den-hut-aufbehalten.html
        http://www.hut-haus.ch/hut-tragen/darf-man-drinnen-einen-ut-tragen/
        https://kniggeblog.wordpress.com/2011/04/28/wann-soll-die-dame-den-hut-abnehmen/

        Alle drei Quellen stimmen überein, und wenn Sie ein paar Jahrzehnte zurückblicken, werden Sie zugeben, dass es schon immer so war. Leider wurde vieles ahnungslos über Bord geworfen, und da geben ich Ihnen gewiss keine Schuld.

        • Storfine 11 Februar, 2019 at 15:15 Reply

          Hallo again,

          schön, dass Sie sich nochmal melden.

          So wie ich es verstehe, geht es Ihnen um die flappsige Aussage „Knigge kann mich mal“?
          Manchmal muss man solche Aussagen wählen, um eben Aufmerksamkeit zu erlangen. Funktioniert doch auch.

          Man könnte natürlich jetzt zum diskutieren anfangen, ob den Knigge nicht vielleicht doch überholt ist bzw. inwieweit man sich daran halten soll. Wie wichtig ist ein gewisser Anstand bzw. der Umgang mit Regeln im sozialen Kontakt usw? Aber das war und isteigentlich gar nicht meine Intention.

          Ich habe diesen Artikel nach dem Zusammentreffen mit dem älteren Herr frei von der Leber weg geschrieben. Ob und wie der nun recht hatte war und ist mir im Endeffekt egal. Er hat einfach damit argumentiert und ich habe das aufgegriffen.

          Für Sie mag meine Argumentation schwach, postpubertär (ich fühle mich übrigens keinen Tag älter als 26) oder auch flapsig sein. Das ist zwar schade, aber das kann ich auch nicht ändern.
          Wie Sie aber erkennen, reagiere ich (im Gegensatz zu anderen) auf meine Leser uns versuche auch deren Standpunkt zu verstehen.

          Und selbstverständlich akzeptiere ich hier auch Ihre Meinung und freue mich über die Kommunikation mit Ihnen diesbezüglich.

          Zu meiner Grundeinstellung „jeder soll so leben, wie es ihm am besten gefällt“ (natürlich sozial verträglich) stehe ich dennoch.

          Freundliche Grüße aus Bayern
          Sandra Storfinger

          • Alexander 11 Februar, 2019 at 17:02

            Ich meine es meinstens nicht so scharf, wie es rüberkommt. Ihnen auch alles Gute aus Wien, Alexander

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