Du oder Sie – welche Ansprache ist die Richtige?

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In Bayern gehört das DU zum guten Ton

Zu allererst muß ich erwähnen, daß ich in Bayern lebe. Noch dazu in einer recht kleinen Gemeinde. Das DU ist dort als Ansprache Gang und Gäbe. Egal ob man sich auf der Straße trifft, beim gerade einkauft oder auch eine Amtsangelegenheit zu erledigen hat. Hier gehen die Menschen einfach offener miteinander um.

Hier, wo ich Zuhause bin, habe ich auch kein großes Problem damit. Allerdings gibt es anderswo immer wieder Situationen, in denen ich das Du nicht wirklich angebracht finde. Ich ertappe mich dann oft dabei, daß ich mich darüber ärgere.

Aber wie richtig reagieren, wenn das Duzen selbst in großen Firmen wie Microsoft, Ikea, Otto oder ähnliche inzwischen zur Unternehmenskultur gehört?

Es gibt da die eine oder andere Regel, an die ich mich halte:

Stoße ich zu Fremden dazu oder habe einen neuen Job, dann ist für mich das SIE selbstverständlich. Auch dann, wenn ich merke, daß untereinander geduzt wird.

Ich warte darauf, bis ein Älterer oder Höhergestellter mir das Du anbietet. Ist mir der Mensch nicht sympathisch, bin ich auch so frei, das Angebot abzulehnen. Ein „Es ist ja nett, daß Sie mich duzen, aber ich muß mich erst daran gewöhnen“ oder ein „Danke, daß Sie mich duzen. Es ist mir aber unangenehm und ich würde gerne beim Sie bleiben, da ich mich sonst unwohl fühle“ ist ehrlich und wird auch (meist) respektiert.

Umgekehrt ist es übrigens ähnlich. Biete ich einem jüngeren Menschen das Du an und er möchte das nicht, dann ist das für mich mehr als in Ordnung. Man sollte seinem Gegenüber immer offenlassen, ob er denn das Du auch annimmt.

Ein „No-go“ für mich ist übrigens, wenn das Du „erbeten“ wird. Ganz nach dem Motto: Hey Chef, es ist doch ok, wenn ich Du zu Dir sage“. Nein – ist es nicht. Ein Du kann meiner Meinung nach immer nur angeboten, aber nicht eingefordert werden.

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Du Arschloch vs. Sie Arschloch

Wie überall gibt es natürlich Vor- und Nachteile. Auch beim Duzen. Während es einerseits mehr Vertrautheit schafft, sorgt es an anderer Stelle für die fehlende Distanz, die vielleicht den respektvollen Umgang miteinander erschwert.

Ich habe immer schnell bemerkt, daß ich dazu neige, mehr persönliches zu erzählen, wenn man sich untereinander duzt. Wie schnell führt das auch zu einer falschen Vertrautheit, die vielleicht ausgenutzt wird. Auch wen ansonsten der Teamgeist dadurch gestärkt wird, sollte man sich wirklich überlegen, ob es das wert ist. Konflikte gleiten beim Duzen schneller ins Persönliche ab und ich habe da schon Dramen zwischen Kollegen erleben müssen.

Ein Kompromiß, den ich gut finde ist, sich mit Vornamen anzusprechen, ansonsten aber beim Sie zu bleiben. Ich finde z. B. ein „Sandra, bitte schreiben SIE doch noch schnell diesen Brief“ die beste Möglichkeit, eine Basis aus Vertrautheit zu schaffen und gleichzeitig respektvoll zu bleiben.

Ansprache im Social-Media-Bereich

Bevor ich mit diesem Blog online ging, habe ich mir natürlich auch Gedanken gemacht, ob ich meine Leser mit Du oder Sie anreden sollte. Das SIE war mir irgendwie zu unpersönlich. Zu unnahbar. Und genau das möchte ich ja eben nicht sein.

Ein DU ist es aber auch nicht geworden, denn mir fällt es ehrlich schwer, in dieser Form zu schreiben. Mir kommt das irgendwie komisch vor und ich würde mich damit nicht wohlfühlen.

Ich halte es im Blog sowie auf Social-Media-Kanälen daher wie immer: ich schreibe in der IHR/EUCH-Form.

Lt. manchen Ansichten ist diese Ansprache nichts Halbes und nichts Ganzes. Für mich ist es aber der ideale Mittelweg.

Oder was meint Ihr?

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10 comments

  1. Verena 30 März, 2017 at 10:56 Reply

    Gute Frage. Im Blog finde ich das ihr/euch vollkommen in Ordnung. Ich hatte es schon in Firmen, dass mir gleich von Anfang an das Du angeboten wurde. Manchmal kam ich mir etwas überrumpelt vor. Und ja, ich gehöre zu denen, die dann zu viel erzählt. Ist nicht gut. Ich weiß. Werde daran arbeiten.
    Direkt abgelehnt habe ich das Duzen noch nie. In Geschäften habe ich es schon erlebt, dass ich sofort mit Du angesprochen werde. Finde ich nicht immer passend. Ich umgehe dann die direkte Ansprache.

    • storfinenblog 30 März, 2017 at 11:01 Reply

      Wenn Du Dir überrumpelt vorkommst, kannst Du ja noch um „Bedenkzeit“ bitten. Du bist ja auch in Bayern. Da gibts halt einfach mehr Du als Sie.
      Ja, das mit dem Privaten kenne ich eben auch. Daher am Anfang nur ein Sie und den Vornamen.

  2. BeAngel 💙 31 März, 2017 at 09:55 Reply

    Das DU ist unter Bloggern eigentlich normal. Auch bei PR Kontakten. Die meisten pflegen einen lockeren Kontakt. Mich persönlich stört das auch nicht. So förmlich will ich gar nicht sein.
    Ich kann allerdings auch sagen, dass es oft so ist: Sobald jemand älteres dazu kommt sind plötzlich alle wieder beim SIE 😉 Es ist also absolut Situationsabhängig.

    Beim Lesen eines Artikels ist es meiner Meinung nach persönlicher wenn DU verwendet wird. Es vermittelt gleich eine gewissen Nähe zum Leser. Auch wenn man sich nicht kennt. Es kommt auch auf den Blog an und dessen Thema. Bei einer Firma würde ich auch eher ein SIE erwarten.

    Im Alltag sage ich meistens SIE. Im Job ist es oft so das mich langjährige Kunden plötzlich mit DU anreden (unangeboten). Ich bleibe aber ausnahmslos beim SIE. Ich finde das ist einfach professioneller.

    Beste Grüße aus dem Saarland 💙 BeAngel
    Beautylicious-Living.de Beauty Blog

    • storfinenblog 1 April, 2017 at 18:09 Reply

      Huhuu,

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar.

      Es gibt ja Blogs, die schreiben nur in DU-Form. Das ist etwas, was ich nicht kann. Ich schreibe „Kennt IHR das….“. Andere „Kennst DU das…“. Beides weitgehenst Du-Form. Darum gings mir bei der Sache mit der Ansprach auch.

      Unsere Firmenseite ist auch komplett in der SIE-Form geschrieben. Hat aber natürlich auch einen ganz anderen Hintergrund. Ansonsten bin ich generell gerne jemand, der beim Sie bleibt. Einfach auch zum eigenen Schutz.

      Liebe Grüße aus Bayern zurück!

      • BeAngel 💙 1 April, 2017 at 19:02 Reply

        Also zum eigenen Schutz nehme ich lieber Pfefferspray oder Karate 😀

        Solange das Auge nichts sieht, ist SIE nur ein Wort im Lexikon. Das förmliche SIE der deutschen Sprache ist eh nur ein Unikum. Eine sprachliche Besonderheit, eine sprachliche Zwangseinrichtung der Deutschen.

        Würdest Du international schreiben dann wäre es tatsächlich die gebräuchlichere, höflichere französische Form der Anrede das „vous“, als 2.Person Plural. Die 2. Person (deutsch „du, dir etc.“ im Singular; „Ihr, Euch etc.“ im Plural) wird in allen mir bekannten Sprachen als eigentliche Anredeform verwendet. Der Gebrauch der Pluralform ist dann auch stets mehr ein Zeichen der Wertschätzung als des Selbstschutzes.

        Ich habe mal bei mir durchgeschaut: Meistens steht da tatsächlich ein IHR/EUCH (es fühlt sich halt so an, als ob man mehrere anredet, weil es online ist) .. aber auch oft ein Du. „Wie findest DU es?“

        SIE fühlt sich eben für mich, wenn ich privat schreibe, als unangenehmes und oft unverschämtes Werkzeug an, um gesellschaftliche Macht auszuüben. Du darfst nicht vergessen woher dieses ER/SIE/ES kommt. Bei der 3. Person handelt es sich im eigentlichen Sinne ja nicht um eine Form der Anrede, sondern des – über jemand (Singular) -oder – über andere (Plural) – Redens. „Bringe SIE mir meinen Tee und schenke SIE es den Gästen ein!“ Eine Anrede mit der die Dienerschaft angeredet wurde, weil sie der direkten Anrede nicht würdig waren.

        Das möchte ich keinesfalls transportieren. Ich bin nichts Besseres! 🙂

        Beste Grüße 💙 BeAngel
        Beautylicious-Living.de Beauty Blog

        • storfinenblog 3 April, 2017 at 15:52 Reply

          So eine bist Du? Pfefferspray und Karate…
          Aber recht hast 😉

          Ich weiß nicht, ich bin nach dem DU immer irgendwie redseeliger. Den Abstand, den ich mit dem Sie habe ist dann tatsächlich wie weggeblasen und oft erzähle ich mehr, als ich wollen würde. Also ist das Sie für mich tatsächlich eine Art Schutz.

          Ansonsten hast Du es einfach toll beschrieben. Das SIE auf dem Blog kommt vielleicht manchmal wirklich von oben herab an. Mit dem Du stellen wir uns gleich.

          LiebGruß von hier
          Sandra

  3. Sabiene 2 April, 2017 at 20:51 Reply

    Das ist wirklich eine gute Frage. Wir kommen auch aus Bayern, aber ich bin zum Siezen aller älteren Leute erzogen worden. Inzwischen gehöre ich ja selbst du den Älteren und kann es mir aussuchen 😉 Praktisch eigentlich.
    Auf meinem Blogs dutze ich, im Internet nutze ich oft das ‚Du‘. Ich bin aber auch schon mal auf Ebay angeschnauzt worden, weil ich kein ‚Sie‘ verwendet habe. Es gibt halt überall Schnösel.
    LG Sabienes

    • storfinenblog 3 April, 2017 at 15:49 Reply

      Ich bin eben auch so erzogen worden und achte auch bei Sohnemann darauf, daß er dementsprechend handelt. Komischerweise sind es auch oftmals die Älteren, die einen Duzen. Gerade die, die ich nun eigentlich Siezen würde bzw. das auch mache.

      Ah…ebay. Da schreibe ich auch immer in der SIE-Form. Dem muss ja langweilig gewesen sein, daß er dich darauf hinweist.

      Liebe Grüße
      Sandra

  4. Ruthie 3 April, 2017 at 23:48 Reply

    Nachdem du hier ja nicht nur mit mir sprechen willst, sondern mit vielen anderen auch, ist doch das ihr/euch genau richtig 😉 Ansonsten geht es mir wie dir: Manchmal ist es mir super unangenehm, einfach geduzt zu werden. Aber manchmal ist es mir genauso unangenehm, wenn ich gesiezt werde, weil ich schon „so alt“ bin… Bei Instagram duze ich komischerweise alle gleich, ohne dass ich mir das überlegen muss. Wenn’s jemand nicht passt, muss er sich halt melden.

    • storfinenblog 4 April, 2017 at 13:39 Reply

      Na ich hoffe doch, daß sich jemand meldet, wenn es ihm nicht passt. Allerdings wird sich dann nichts an meiner Schreibe ändern. Ich wäre aber generell neugierig, wieviele das sind. Vielleicht sollte ich doch mal eine extra Umfrage starten?

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