Fröhlicher Friedhof von Săpânţa in Rumänien

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Fröhlicher Friedhof-Rumänien-Sehenswürdigkeit

Das Jahr 2020 ist urlaubstechnisch ja eher ein Reinfall. Zumindest dann, wenn es um längere Reisen geht. Eigentlich wäre auch dieses Jahr wieder ein Roadtrip geplant gewesen. Nicht durch Rumänien, wie letztes Jahr. Aber Norwegen wäre bestimmt auch schön gewesen. Ich bin gespannt, wann das unbeschwerte Reisen wieder möglich ist. Solange erzähle ich Euch einfach, wie schön es in Rumänien war. Und ein weiteres Highlight auf unsere Fahrt nach Rumänien war auf jeden Fall ein Fröhlicher Friedhof in der Gemeinde Săpânța im Kreis Maramureș. Dieses inzwischen weltweit bekannte Reiseziel in Rumänien liegt ganz im Norden, fast an der Grenze zur Ukraine. Wir mussten hier von Sibiu einen weiten Weg in Kauf nehmen. Die Fahrt in den Kreis Maramures war eine der längsten bzw. der zeitaufwendigsten. Aber auch eine der schönsten Fahrten durch die unterschiedlichsten Landschaften Rumäniens.

Ein fröhlicher Friedhof?

Jetzt fragt Ihr Euch sicher, was zum Teufel an einem Friedhof wohl fröhlich sein kann. Vieles! Es muss nicht immer düster, dunkel und eintönig gehalten sein. Es darf auch nach dem Tod auch noch bunt und lustig sein. Hier auf diesem Friedhof begegnet man dem Tod eben mit Humor und einer gehörigen Portion Sarkasmus.

Und so leuchten einem am Tor schon über 800 Kreuze aus Eichenholz mit tiefblauem Grund (Sapanta-Blau) und bunten Inschriften entgegen.

Auf den Kreuzen ist in Bild und Inschriften zu erkennen, welch Leben der dort Verstorbene wohl geführt hat. Und oftmals auch, wie er zu Tode gekommen ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Mensch durch einen tragischen Unfall wie Ertrinken oder Überfahren ums Leben gekommen ist. Oder auch, wenn er ermordet wurde. Drastische Darstellungen findet man dort in Hülle und Fülle. Und alle entsprechen wohl der Wahrheit.

Stan Ion Patras – der Schöpfer des einzigartigen Friedhofs

Verantwortlich für diesen wohl einzigartigen Friedhof ist der Bildhauer, Maler und auch Dichter Stan Ion Patras. 1935 fing er damit an, diese bunten Kreuze anzufertigen. Seit dieser Zeit sind es schon weit über 800 kunstvoll angefertigte Holzkreuze, die man auf dem Friedhof entdecken kann.

Als Patras im Jahr 1977 im Alter von nur 69 Jahren starb, übernahm sein ehemaliger Auszubildender Dumitru Pop seine Arbeit und führt sich auch bis heute noch fort. Er ist oftmals selbst auf dem Friedhof anzutreffen und erklärt den Besuchern dann, dass auch bis zum heutigen Tag alle Kreuze in Handarbeit hergestellt werden. So wissen wir jetzt auch, dass erst alle Bilder, die Struktur und Muster geschnitzt werden. Danach erhält das Kreuz die leuchtend blaue Farbe als Grundierung. Alle weiteren Verzierungen erfolgen in hellen, fröhlichen und auch bunten Farben.

Die bekanntesten Inschriften und ein fröhlicher Friedhof der seinem Namen alle Ehre macht

Eine der wohl bekanntesten Inschriften lautet z. B. grob übersetzt: „Hier ruhe ich und solange ich am Leben war, trank ich gerne Wein und Schnaps“. Dieses Grab und diese Inschrift gibt es dann tatsächlich auch als Magnet für die Touristen zu kaufen. Genauso wie die Inschrift der wohl bekanntesten Schwiegermutter auf diesem Friedhof.

Rumänisch steht dort geschrieben:

Sub această cruce grea
Zace biata soacră-mea
Trei zile de mai trăia
Zăceam eu și cetea ea.
Voi care treceți pă aici
Incercați să n-o treziți
Că acasă dacă vine
Iarăi cu gura pă mine
Da așa eu m-oi purta
Că-napoi n-a înturna
Stai aicea dragă soacră-mea

Grob übersetzt ins Deutsche lautet der Text:

Unter diesem schweren Kreuz
Liegt meine arme Schwiegermutter
Hätte sie noch drei Tage gelebt
würde ich dort liegen
und sie dieses Kreuz lesen
Bitte versuchen Sie sie nicht aufzuwecken
Denn wenn sie nach Hause kommt
Wird sie mich wieder schimpfen
Aber ich werde mich sicher benehmen
Sie wird also nicht aus dem Grab zurückkehren
Bleib hier, meine liebe Schwiegermutter.

Dieser Friedhof wird wohl auch von den Rumänen selbst gern besucht. Ich selbst kann kein Rumänisch und so wusste ich nicht, was denn wohl alles auf den Kreuzen geschrieben steht. Als ich dann einen vor einem Kreuz stehenden, laut lachenden Mann getroffen habe, habe ich ihn kurzerhand gefragt, ob er denn Englisch kann und mir die Inschrift ein wenig übersetzen könne. Hat er gemacht. Es war ausgerechnet eben der Text oben.

Ein fröhlicher Friedhof und seine Kirche

Auf dem Friedhof selbst gibt es auch eine Kirche. Auch hier lohnt sich ein Blick auf jeden Fall. Schon von außen ist sie nämlich wirklich sehenswert und auch im Inneren macht sie echt was her. Wir konnten leider nicht direkt in den Kirchenraum, da dieser gerade renoviert wurde, aber das, was wir gesehen haben, war auch schon beeindruckend. Alleine von außen ist die Kirche wirklich sehenswert.

Zu finden ist der Friedhof direkt in Săpânța 437305, Rumänien. Rund um den Friedhof gibt es jede Menge Möglichkeiten, Andenken zu kaufen. Parkplätze sind eher rar, lassen sich aber in der Nähe finden. Plant einfach ein paar Meter Spazierweg mit ein.

Ein Friedhof als Reiseziel. Ist das nicht makaber? Vielleicht!

Aber ein Besuch dort ist es wert und Ihr werdet diesen auch nicht so schnell vergessen.

Wäre das auch ein Reiseziel für Euch? Oder wart Ihr sogar schon mal dort?

18 comments

  1. Annette Dr. Pitzer 25 November, 2020 at 12:10 Reply

    Auf einem solchen Friedhof würde ich auch gerne beerdigt werden. Ich finde es gar nicht makaber einen Friedhof in einem fremden Land zu besuchen, denn dort lernt man sehr viel über die Kultur.
    Alles Liebe
    Annette

    • Storfine 26 November, 2020 at 18:06 Reply

      Das stimmt liebe Annette. Ich wäre auch lieber dort begraben, als hier auf unseren nahezu sterilen Friedhöfen.
      Liebe Grüße

  2. Cornelia 25 November, 2020 at 13:21 Reply

    Das sind ja wirklich interessante Fotos – tatsächlich habe ich auf Reisen ebenfalls schon diverse Friedhöfe besucht und kann deine Begeisterung wirklich nachvollziehen. In Rumänien war ich noch nie, klingt auf jeden Fall sehr interessant.

    • Storfine 26 November, 2020 at 18:06 Reply

      Wenn möglich, schau dir das Land unbedingt an.
      Wir sind mehrmals schief angeschaut worden, als wir Mädels allein dort hinwollten.
      Und wir bereuen keine Minute davon. Es war so schön.
      Viele Grüße

  3. Sarah 25 November, 2020 at 15:09 Reply

    Hey, wie es gibt einen fröhlichen Friedhof? Und warum gibts das nicht überall? Ich finde die Idee toll, nicht immer alles schwarz und düster auf dem Friedhif vorzufinden. Zwar bin ich schwarz und düster gekleidet, aber der Tod gehört für mich zum Leben dazu und ich sehe ihn (zumindest im natürlichen Sinne) als guten Freund an. Vielleicht ist das meine Bewältigungstrategie. Die Inschrift und die Aufmachung der Kreuze ist ja wirklich einmalig und trifft voll und ganz meinen Humor! Einfach toll!

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Storfine 26 November, 2020 at 18:08 Reply

      Danke für die tollen Worte liebe Sarah.
      Ja, du hast recht – der Tod gehört zum Leben dazu. Ich denke da genauso und würde lieber bunt und laut eine Beerdigung begehen, als so, wie es „Sitte“ ist.
      Von mir aus schreibt man auch ne nette Anekdote über mich auf mein Kreuz. Ich würd mich freuen.
      LiebGruß

  4. Julia 25 November, 2020 at 22:30 Reply

    Hallo,

    das stimmt 2020 ist von den Reisen her nicht so toll. Aber es kann nur besser werden 2021.
    Zu dem Friedhof es gefällt mir recht gut. Das blaue und diese Kirche ist ein Beispiel, das es auch anders geht. Natürlich Trauer ist immer ok, aber dann muss es nicht immer grau sein. Behalte den Menschen in fröhlicher weise und ehre ihn damit. Tolle Bilder danke dafür.

    Liebe Grüße
    Julia

    • Storfine 26 November, 2020 at 18:04 Reply

      Gerne liebe Julia!
      Es ist schön, dass es eben auch anders geht, als trist, grau und schwarz.
      Der Tod ist nicht immer das Ende von allem.
      Liebe Grüße

  5. Katharina 26 November, 2020 at 09:19 Reply

    Wie cool, dass ihr durch Rumänien gefahren seid. Ich war nur zweimal da, zur Hochzeit eines Studienfreundes in Bukarest und um ihn zu besuchen – habe also nicht viel mehr als die Hauptstadt gesehen. Fand aber die Geschichte des Landes sehr spannend und die Leute super gastfreundlich.

    Viele Grüße,
    Katharina (von https://www.windelnundworkouts.de)

    • Storfine 26 November, 2020 at 18:04 Reply

      Das stimmt. Die Leute dort sind wirklich sehr gastfreundlich und wir haben uns recht wohl gefühlt.
      Es lohnt sich, das Land näher kennenzulernen. Mit all seinen schönen und nicht so schönen Seiten.
      Liebe Grüße an Dich

  6. Patrick 26 November, 2020 at 16:13 Reply

    Auch wenn das ein bisschen absurd klingt, aber was für ein wunderschöne Friedhof!!! Kann deine Begeisterung absolut nachvollziehen. Hoffe ebenfalls, dass wir bald mal wieder reisen können.

    • Storfine 26 November, 2020 at 18:03 Reply

      Du hast recht Patrick. Er ist toll.
      In Rumänien gibt es viele tolle Friedhöfe.
      Wie eben auch in Irland und anderwo.
      Hoffen wir das Beste.
      Liebe Grüße

  7. Miriam 26 November, 2020 at 23:01 Reply

    Liebe Sandra,
    Normalerweise besuche ich keine Friedhöfe, aber bei dem hier würde ich glatt eine Ausnahme machen. Die Kreuze sind ja mal total kunstvoll und ansprechend gestaltet – und die Architektur der Kirche gefällt mir auch enorm gut. Danke, dass du uns den Fröhlichen Friedhof vorgestellt hast – ich hatte davon noch nie gehört. Die lange Fahrt würde ich aber definitiv in Kauf nehmen!
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    • Storfine 2 Dezember, 2020 at 10:57 Reply

      Ich würde auch jederzeit wieder dort vorbeischauen. Der Friedhof ist schon etwas ganz Besonderes.
      Und wenn man gerne reist, eine tolle Sehenswürdigkeit.
      Liebe Grüße an Dich

  8. Jana 27 November, 2020 at 21:27 Reply

    Ich war auch schon auf vielen Friedhöfen in fremden Ländern, aber habe noch nie so einen bunten und „fröhlichen“ gesehen. Ich glaube, sowas kann man machen, wenn man anders mit dem Tod umgeht. Wenn da einer meiner Liebsten liegen würde, könnte ich witzige Sprüche über seinem oder ihrem Grab irgendwie nicht ertragen. Aber aus der Ferne betrachtet ist das besser, als ewig zu trauern!

    Liebe Grüße
    Jana

    • Storfine 2 Dezember, 2020 at 10:58 Reply

      Da hast du recht liebe Jana.
      Viele schreiben den Text für Ihr Kreuz tatsächlich selbst. Wie auch der Mann, der den Friedhof geschaffen hat. Auch viee Prominente lassen sich dort ein Kreuzschnitzen. Und es gibt auch viele liebevolle und wirklich schöne Texte.
      Das sind halt wirklich die Texte, die auf dem Friedhof auffallen.
      Ich schick Dir liebe Grüße

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