Krampfadern bei Lipödem – wann eine Operation nötig ist

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Krampfadern-Lipödem-Operation-nötig

Wusstet Ihr, dass fast jeder zweite Deutsche mit den Jahren unter Krampfadern, Besenreisern oder ähnlichem leidet? Diese bläulichen Adern, die an den Beinen oftmals unschön hervortreten sind oftmals nur ein kosmetisches Problem. Krampfadern können aber auch zu Schmerzen und in manchen Fällen zu Folgeschäden führen. Deshalb ist es wichtig, dass man vor einer geplanten Liposuktion unbedingt einen Venen-Check durchführen lässt. Wie wichtig das sein kann, habe ich selbst erlebt.

Wäre mein Lipödem nicht diagnostiziert worden und hätte ich mich nicht zu einer Liposuktion entschieden, wäre vermutlich auch meine Venenklappen-Insuffizienz nie entdeckt worden und hätte mit der Zeit zu größeren Problemen wie einem offenen Bein führen können.

Wie entstehen Krampfadern überhaupt?

Unser Gefäßsystem besteht aus jeder Menge verzweigter Adern, die das Blut durch unseren Körper transportieren. Hier unterscheidet man unter Arterien und Venen. Während die Arterien das sauerstoffreiche Blut vom Herzen zu den Organen transportieren, fließt das Blut durch die Venen zurück. In unseren Beinen gibt es die sog. tiefen Beinvenen, die zwischen den Muskeln verlaufen. Diese transportieren fast 90% von den Beinen zurück zum Herzen. Die restlichen 10% werden von den oberflächlichen Venen in der Haut und im Unterhautfettgewebe transportiert.

Da wir ja auf unseren Beinen stehen und das gesamte Körpergewicht darauf lastet, müssen die Venen der Beine das Blut entgegen der Schwerkraft befördern. Das schaffen sie mit Hilfe der Muskeln. So pressen sie das Blut z. B. beim Gehen in Richtung Herz.

Damit das Blut auch in die richtige Richtung läuft, haben die Venen Klappen, die den Blutfluss nur in die richtige Richtung leiten – zurück zum Herzen. Wenn diese Klappen nicht richtig funktionieren, dann folgt das Blut der Schwerkraft und versackt im Bein.

Unsere Venen haben sehr elastische Wände. Wenn unser Blut statt zum Herzen ins Bein fließt, weiten sich die Venen mit der Zeit und erweitern sich. Sie werden sackartig, schlängeln sich und werden nach außen hin sichtbar. Umgangssprachlich hat man dann Krampfadern. Ein Arzt nennt das aber eher Varizen oder Varikose.

Frauen sind von Krampfadern doppelt so häufig betroffen wie Männern. Neben der Veranlagung führen auch Übergewicht, eine Schwangerschaft und generell wenig Bewegung dazu, dass es zu Krampfadern kommt.

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Ist Krampfader gleich Krampfader?

Nein. Hier muss man zwischen dem oberflächlichen und tiefen Venensystem (und dem dazwischen) unterscheiden. Hier gibt es unterschiedliche Varizenarten, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen.

Die sog. Besenreiser sind kleine, erweiterte Äderchen unter der Haut, die sich wie ein Fächer ausbreiten. Sie sind nicht schön, müssen aber in der Regel nicht behandelt werden.

Dann gibt es noch die netzartig verzweigte Hautvenen, die meist recht klein und ebenfalls nicht behandlungsbedürftig sind.

Auch wenn diese Varizen in der Regel keine Probleme machen, sollten sie beobachten werden und nicht nur als Schönheitsfehler abgetan werden. Ein regelmäßiger Venen-Check hilft hier, evtl. schwere Venenerkrankungen zu erkennen.

Es gibt aber Venenerkrankungen, die unbedingt behandelt werden müssen, da sonst größere Probleme entstehen. Dazu gehören die sogenannten Stamm- und Seitenast-Varikosen sowie Perforans-Insuffizienzen.

Die große, oberflächliche Stammvene (Vena saphena magna) verläuft vom Innenknöchel entlang der Ober- und Unterschenkelinnenleiste zur Leiste. Bei einer Stamm-Varikose ist hier die Funktion gestört. Selbiges gilt für die kleine, oberflächliche Stammvene (Vena saphena parva), die vom Außenknöchel auf der Unterschenkelrückseite bis zur Kniekehle läuft.

Bei einer Seitenast-Varikose sind die Seitenäste dieser beiden Stammvenen betroffen und müssen ebenso behandelt werden, wie eine Perforans-Varikose bzw. Insuffizienz. Das sind kleine Verbindungsvenen zwischen den oberflächigen und tiefen Venen.

Das größte Problem bei unbehandelten Krampfadern und eine daraus entstehende Komplikation ist eine chronisch venöse Insuffizienz. Durch den permanenten Rückstau erhöht sich der Druck im Gewebe. Vor allem in der Knöchelregion kann es hier zu schweren Schäden führen. Der Unterschenkel schwillt an und die Haut verfärbt sich erst rötlich, dann bräunlich und kann letztendlich zu einem offenen Bein (Ulcus cruris) führen.

Probleme durch Krampfadern ähneln dem eines Lipödems

Ein weiterer Grund für einen unbedingten Venen-Ultraschall bei Lipödem ist, dass sich die Probleme sehr ähnlich sein können.

Auch bei einer Varikose besteht oftmals ein unangenehmes Spannungsgefühl. Die Beine werden im Laufe des Tages müde und schwer und beginnen zu jucken. Auch (Druck-)Schmerzen sind bei Venenproblemen möglich.

Kommen Hautveränderungen an den Beinen hinzu, kann man davon ausgehen, dass es sich um behandlungsbedürftige Krampfadern bzw. Venenprobleme handelt.

Ein guter Phlebologe/Venenarzt nutzt bei der Diagnose daher IMMER einen Venen-Ultraschall, um hier wirklich sicher zu gehen.

Meine erste Ärztin hat das nicht – weil man ja „nichts gesehen“ hat. Meine zweite Phlebologin dagegen untersuchte mich gleich ordentlich, stellte die Insuffizienz fest und schickte mich weiter zur Gefäßchirurgie, die das nochmals bestätigt hat.

Wie läuft die Krampfader-Diagnostik ab?

Die einfachste und wichtigste Untersuchungsmethode ist der Ultraschall. Mit dem sog. Doppler – der farbkodierten Duplexsonografie – kann der Arzt oberflächliche und auch tiefe Venen darstellen und die Funktion der Venenklappen überprüfen sowie erkennen, unter welcher Art von Krampfadern man leidet und ob es schon zu Folgeschäden gekommen ist,

Das Ganze ist übrigens absolut schmerzfrei. Eine richtig gute Untersuchung dauert mindestens 20 Minuten. Bei meiner Phlebologin sowie in der Gefäßchiurgie wurde rund 30 Minuten „geschallt“.

Krampfadern-Lipödem-Operation-nötig

Kann man Krampfadern vorbeugen?

Hat man die Veranlagung dazu, kann man Krampfadern nicht verhindern. Man sollte sich aber ausreichend bewegen und langes Stehen oder Sitzen sowie große Wärme verhindern. Kalte Güsse bzw. Wechselduschen helfen ebenfalls, die Venen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Kompression oder Operation?

Oftmals verschreiben Ärzte bei Lipödem noch die sog. Rundstrick-Kompression. Diese eignet sich eben wunderbar, um Venenleiden zu mindern. Auch daran erkennt man, dass sich die Symptome beider Erkrankungen hier oft ähnlich sind.

Hat man aber tatsächlich auch ein Lipödem, hilft nur Flachstrick als Kompression. Bei Flachstrick macht man übrigens auch bei Venen-Problemen nichts falsch, außer man leidet an einer schweren Durchblutungsstörung. Also bei Lipödem immer auf Flachstrick bestehen.

Wie oben schon erwähnt, sind Besenreiser oder oberflächliche Venen für die meisten nur ein kosmetisches Problem.

Die operationsbedürftigen Venen-Probleme sollten aber unbedingt vor einer Liposuktion mittels einer Operation behandelt werden.

Macht man das nicht, kann der Chirurg bei der Liposuktion im schlimmsten Fall eine Vene erwischen, was zu starken Blutungen führt.

In erster Linie kann die Liposuktion dann wegen der Einblutungen nicht mehr zu Ende geführt werden. Weiterhin kann man soviel Blut verlieren, dass eine Verlegung (und Operation) in einem Krankenhaus nötig ist.

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es?

Im kosmetischen Bereich können die kleinen und oberflächlichen Venen mittels Laser von außen behandelt werden.

Auch kann man ein bestimmtes Mittel in die Krampfadern spritzen, damit diese verklebt. Das nennt man Verödung.

Sind die Stammvenen betroffen, sollte man eine Operation vorziehen mittels Stripping vorziehen. Sie werden von den Chirurgen mit Minihautschnitten und oft in lokaler Betäubung „herausgehäkelt“.

Inzwischen gibt es hier viele moderne, schonende Verfahren, die vor allem für uns Lipödem-Betroffene einen großen Vorteil bieten.

Um unser Lymphsystem nicht noch mehr zu schädigen, sollte hier auf eine möglichst schonende Entfernung zurückgegriffen werden. Mit der sog. Radiofrequenz- Laser- oder Wasserdampfsonde werden die Krampfadern sozusagen von innen verkocht und dann vom Körper abgebaut. Hierzu bedarf es auch keinen Leistenschnitt, der beim normalen Herausziehen nötig ist.

Die Verfahren werden auch miteinander kombiniert.

So wurde meine Vena saphena magna zum Oberschenkel hin mittels Radiofrequenz (Celonmethode) „verkocht“ und nach unten hin kleine Seitenästen mit einer Art Häkelnadel herausgeholt.

Näheres zu dieser Operation und wie es mir die letzten zwei Monate nach der Operation ergangen ist, erzähle ich Euch bald.

2 comments

    • storfinenblog 24 September, 2018 at 09:04 Reply

      Immer gern liebe Jenny!
      Ich bin froh, wenn ich jemandem damit helfen kann, der dieselben Probleme hat oder vielleicht auch Angst vor einer Operation.
      Einen tollen Wochenanfang wünsch ich Dir
      Sandra

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