Sport bei Lipödem – keine Ausreden mehr

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Sport bei Lipödem keine Ausreden mehr

Seit ich meine Diagnose bzgl. des Lipo-Lymphödems habe, habe ich viel den Austausch mit anderen Betroffenen gesucht und natürlich auch gefunden. Man mag gar nicht glauben, wie viele Frauen unter den Diagnosen Lipödem, Lymphödem oder eben einer Mischung aus beiden leiden. Dabei ist mir aber immer wieder dieselbe Ausrede aufgefallen, wenn es um das Thema Sport bei Lipödem geht.

„Sport hilft bei Lipödem nicht!“

„Meine Arme/Beine/der Körper schmerzen so, dass ich keinen Sport machen kann“

„Ich habe Angst vor blauen Flecken.“

„Da werde ich doch noch breiter.“

„Ich schäme mich für meinen Körper.“

Sport bei Lipödem heilt vielleicht nicht, aber lindert!

Gerade beim klassischen Lipödem hilft Sport tatsächlich nicht. Die Erkrankung lässt sich damit nicht aufhalten. Allerdings kann man mit schonenden Sportarten Symptome und Beschwerden deutlich reduzieren.

Sobald Ihr merkt, wie gut Euch der Sport tut, verbessert sich die Lebensqualität deutlich. Und auch die körperliche und geistige Ausdauer, die der Sport mit sich bringt, ist nicht zu verachten.

Raus aus Eurer Komfortzone

Ohne nichts, passiert eben nichts. Natürlich bekommt man auch keine blauen Flecken. Aber das hilft Euch weder körperlich noch mental weiter. Dafür müsst Ihr einfach etwas tun. Und auch, wenn es eine alte Leier ist (die ich selbst jetzt noch nicht hören kann): Bewegung ist das A und O.

Ich habe selbst verdammt lange gebraucht, dass zu erkennen. Sogar mehr als 10 Jahre. Gerade deshalb weiss ich auch, wie wichtig es ist, sich mehr zu bewegen bzw. Sport zu machen.

Macht Ihr für Euch den richtigen Sport und führt diesen auch sportbezogen mit Kompression durch, dann ist die Gefahr der blauen Flecken oder gar Schmerzen relativ gering.

Und solange Ihr es nicht maßlos mit Kraftsport übertreibt, werdet Ihr auch nicht breiter. Es gibt so viele Bewegungsabläufe, die unterstützen und nicht maßlos Muskeln aufbauen.

Nur eins ist wichtig: Kompression bei Sport ausserhalb des Wassers ist sozusagen ein Muss. Ich trage meine Bestrumpfung auf dem Crosstrainer. Hantelübungen mache ich nur mit Armbestrumpfung.

Scham – das größte Hindernis

Glaubt mir: keiner kann Euch hier so nachfühlen, wie ich selbst.

Meine Brust hängt mit den Nippeln abwärts bis zum Bauchnabel, meine Oberarme winken mit stolzem 15cm Gehänge, mein Hintern hat Falten wie ein zerknülltes Taschentuch und um meine Oberschenkel ringeln sich Fettüberhänge. Aufgrund der starken Abnahme reden wir jetzt nicht von der Fettschürze, die auf den Oberschenkeln liegt.

Nackt vor dem Spiegel stehen ist schon eine heftige Herausforderung und ich finde mich alles andere als schön im Moment. Schlimmer noch – ich könnte manchmal heulen (und tu das auch).

Auch Blicke und Kommentare – vor allem beim Sport – verletzen. Auch mich! Blöde Kommentare und Lästereien wildfremder Menschen gibt es auch jetzt noch genug. Glaubt nicht, dass mir das nicht weh tut. Ich leide, wie Ihr, ebenfalls darunter.

Aber auch hier weiss ich, dass mich der Sport unterstützt. Wie ein Modell will ich gar nicht aussehen und weiss das auch, dass das nicht geht. Aber auch hier merke ich leichte Veränderungen. Vor allem, wenn es um die Körperform geht. Und das macht mich letztendlich selbstbewusster.

Lasst Euch von einer Krankheit nicht das Leben bestimmen!

Nicht die Krankheit sollte Euer Leben bestimmen. Ihr selbst sollt es tun. Natürlich gibt es Einschränkungen und es ist Vieles nicht möglich, was man sich vielleicht wünscht.

Wichtig ist einfach, dass Ihr Euch schonende Sportarten sucht. Da die Gelenke ohnehin belastet sind, sollten diese nicht weiter geschädigt werden. Sport auf Geräten sollte auch immer mit Kompression erfolgen. Ohne diese Unterstützung kann es sein, dass Flüssigkeit in unserem Körper im Gewebe versackt und zu weiteren Ödemen und Schmerzen führt.

Aber das was sportlich möglich ist, das solltet Ihr tun!

Für Euch…

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13 comments

  1. Linni 15 Januar, 2018 at 19:02 Reply

    Hallöchen
    Meine Freundin hat auch ein Lipödem und versucht ganz viel dagegen zu machen. Danke für den Beitrag. Ich werde ihr mal den Link schicken 😊

    Liebst Linni

    • storfinenblog 15 Januar, 2018 at 22:59 Reply

      Hallo Linni,

      das würde mich tierisch freuen! Gerade zu dem Thema gibt es so vieles zu berichten in schon so kurzer Zeit seit der Diagnose.
      Das wird gerade dieses Jahr DAS sein, was mich am meisten beschäftigt.

      Herzliche Grüße
      Sandra

  2. L❤ebe was ist 15 Januar, 2018 at 19:43 Reply

    ich finde die Aussage, die hinter deinem Beitrag stckt großartig liebe Sandra!
    schließlich viel zu viele Menschen nicht besonders aktiv und bewegen sich zu wenig. und dadurch enstehen erst auch viele Krankheiten.

    wenn jemand sportlich aktiv ist, obwohl er Einschränkungen hat, dann ist das ein richtiges Vorbild! und vl nehmen sich andere ja ein gutes Beispiel 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

    • storfinenblog 15 Januar, 2018 at 23:12 Reply

      Hallo liebe Tina,

      ich war auch lange Zeit wirklich faul. Aber das änderte sich mit jedem Kilo weniger.

      Danach kam die Diagnose – aber davon wollte ich mich jetzt nicht mehr unterkriegen lassen. Und es funktioniert.

      Danke für den Zuspruch! So etwas motiviert mich dann auch wieder.

      Alles Liebe an Dich
      Sandra

    • storfinenblog 15 Januar, 2018 at 23:04 Reply

      Ich hoffe auch, damit andere motivieren zu können.
      Dazu wird wohl noch der ein oder andere Beitrag online gehen. Man kann soviel schaffen – wenn man nur möchte.

      Liebe Grüße an Dich!

  3. Avaganza 15 Januar, 2018 at 22:49 Reply

    Ich finde es toll wie du anderen Mut machst! Man darf sich von keiner Krankheit unterkriegen lassen und versuchen so weit es möglich ist ein Leben zu führen wie man es sich wünscht. Natürlich in einer sehr oberflächlichen Welt wie wir sie heute erleben ist das nicht so leicht, aber ich bin mir sicher dass man die „richtigen“ Menschen in sein Leben zieht, wenn man das möchte.

    Liebe Grüße
    Verena

    • storfinenblog 16 Januar, 2018 at 09:04 Reply

      Hallo liebe Verena,

      da hast Du recht. Wenn man nur möchte, erreicht man so viel. Auch gemeinsam mit anderen.

      Mit ist nur wichtig, dass andere wissen, dass es mir oft genau so schei… geht mit der Oberflächlichkeit.
      Und wenn ich nur einem Menschlein Mut machen kann, dann hat sich der Beitrag ja sowieso schon gelohnt.

      Alles Liebe!

  4. Sigrid Braun 15 Januar, 2018 at 22:54 Reply

    Ich habe mich mit dieser Krankheit bisher nicht befasst und kenne mich auch nicht damit aus aber ich bewundere sehr wie offen du hier über dich und deine Krankheit schreibst.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    • storfinenblog 16 Januar, 2018 at 09:01 Reply

      Hallo liebe Sigrid,

      dankeschön! Ich finde es einfach wichtig, dass die Welt davon erfährt und mit Offenheit kommt man da am weitesten.

      Liebe Grüße an Dich!

  5. Caroline Sprott 18 Januar, 2018 at 15:59 Reply

    Klasse, dass du darüber schreibst und ich kann alles unterschreiben 🙂
    Ich finde Sport gehört zur konservativen Therapie genau so dazu, wie MLD und die Kompression.

    Ganz liebe Grüße!
    Caroline

    • storfinenblog 22 Januar, 2018 at 08:42 Reply

      Hallo liebe Caroline,

      schön, dass Du hierher gefunden hast. Dich bzw. Euch verfolge ich, seit ich die Diagnose erhalten habe.
      Und dank Euch hab ich auch den Mut zur Kompri gehabt und bin happy damit.

      Herzliche Grüße an Dich
      Sandra

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