Wenn der Sohn sich für die Mama schämt

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kahl Haarausfall schämt

Jetzt ist genau das passiert, vor dem ich immer Angst hatte: mein Sohn schämt sich für mich bzw. ist wegen mir und meinem Haarausfall verunsichert.

Angefangen hat alles damit, daß ich ihn auf einmal nicht mehr in die Schule fahren durfte und ihn auch nicht mehr abholen. Er hat an zwei Tagen in der Woche Unterrichtsbeginn und –ende, an dem einfach kein Bus aus und in unserem kleinen Kaff fährt und da ist elterlicher Chauffeurdienst angesagt.

Schämt er sich für mich?

Auf meine Rückfragen, ob was passiert ist, hat er erst gar nicht und dann recht aggressiv reagiert. Er wollte einfach nicht mit der Sprache rausrücken.

Da er mit seinen 14 Jahren mitten in der Pubertät steckt, habe ich das erst einmal so hingenommen und ihn nicht weiter gefragt.

Als ich ihn dann letztens, anstatt der Papa, ist er mir im Auto in Tränen ausgebrochen, weil ich gekommen bin. Er wollte allerdings immer noch nicht sagen, was denn los ist. Er sagt dann auch ziemlich direkt, daß er nicht darüber reden möchte.

Auch wenn ich es mir vorher schon gedacht habe, war ich jetzt sicher, daß es an mir liegt. Und der einzige Grund, daß er sich für mich schämen müßte, ist, daß ich täglich eine Beanie auf dem Kopf habe.

Warum trägt deine Mama Kopftücher? Und immer ein anderes?

Da er mit mir einfach nicht sprechen wollte, mußte der Papa ran und nach einigem hin und her hat er sich ihm dann doch gesagt, daß es um mich geht und weil ich immer ein „Kopftuch“ trage.

Beanies und Mützen trage ich inzwischen mehr als ein dreiviertel Jahr. Aber irgendwie scheint seinen Klassenkameraden erst jetzt aufgefallen zu sein, daß ich das regelmäßig mache. Seit Schuljahresbeginn fragen sie den Bub also täglich, warum ich denn nun immer ein Kopftuch trage. Und warum das auch immer anders aussieht.

Antwort darauf gab es wohl nie bzw. hat Sohnemann mit einem „das geht Euch nichts an“ reagiert. Daß das in dem Alter zu noch mehr Neugierde führt, ist klar und so wurde er wohl immer wieder gefragt und gepiesackt, weil er nichts sagen wollte. Irgendwann war es dann wohl zu viel und er reagierte mir gegenüber.

Mein Sohn wollte mich einfach nicht verletzten und tat es aber dann mit seinem Verhalten doch. Ich verstehe, daß er es mir nicht direkt sagen wollte. Allerdings kann er wirklich wegen allem zu mir kommen und tut das normal auch. Hier aber war wohl ein Punkt erreicht, an dem er nicht mehr weiter wußte.

 

Perücke Tücher Frisör schämt

Perücke und Tuch

Argumentation oder Konfrontation?

Es geht einfach nicht anders: es wird immer wieder diese zwei Tage geben, an denen ich den Bub abholen muß, weil der Mann verreist oder eben beschäftigt ist.

Also haben wir über die Möglichkeiten geredet, was man machen könnte, damit er nicht weiter von seinen Klassenkameraden genervt wird.

Ich habe mit ihm über darüber gesprochen, wie er reagieren und argumentieren könnte. Von „das gefällt meiner Mom halt“ bis hin zu „kennt ihr den Trend noch nicht?“ bis zum einfachen „meine Mama hat kreisrunden Haarausfall und verdeckt damit haarlose Stellen“ gibt es da ja unzählige Möglichkeiten. Allerdings ist das Reden ja nicht gerade seine Stärke, wie man aufgrund seiner Reaktion mir und Schulkollegen gegenüber feststellen konnte.

Eine andere Möglichkeit wäre, daß ich auf Konfrontation gehe und mich einfach mal vor die ganze Klasse stelle und ihnen kurz darüber etwas erzähle. Im Alter von 14 bis 16 Jahren müßten die Jugendlichen da schon verstehen, um was es geht. Dann ist die Neugierde befriedigt.

Nur hilft das und macht es das nicht schlimmer? Schließlich weiß man ja nie, was in den pubertären Köpfen so vor sich geht und vielleicht wird er danach noch mehr aufgezogen damit, als daß es hilft?

Vor allem dann, wenn er ja dann selbst vor mir sitzt? Schämt er sich dann vielleicht noch mehr für mich? Was muß er sich danach anhören?

Vermutlich wird es darauf rauslaufen, daß er es einfach „aussitzt“. Er sagt nichts und ich darf auch nichts dergleichen machen.

Ich hoffe nur, daß er letztendlich damit zu Recht kommt und daß mein verdammter Haarausfall sein Leben bzw. unser Familienleben nicht immer wieder belastet.

Auch wenn es für mich gut ist, so wie es ist, muß es das für meine Lieblingsmenschen noch lange nicht so sein.

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10 comments

  1. Shadownlight 5 November, 2017 at 18:01 Reply

    Ach herje. Mensch das ist aber auch nicht einfach und ich glaube dein Sohnemann weiss nicht so gut damit umzugehen.
    Mir kam sofort in den Sinn: wie wäre es, wenn du mal der Klasse erzählst was es damit auf sich hat. Vielleicht ist ein Thema, dass die Lehrerin mit „Toleranz“ oder „Selbstliebe“ verbinden kann?
    Liebe Grüße!

    • storfinenblog 6 November, 2017 at 07:37 Reply

      An so etwas dachte ich auch schon. Aber in der 9. Klasse und weiterführende Schule sollte das alles eigentlich schon selbstverständlich sein.
      Und eigentlich sollten die Schüler es auch akzeptieren, wenn der Bub sagt, er möchte nicht darüber reden. Tun sie aber leider nicht.
      Ein entsprechendes Fach wäre nur noch Ethik, wo es dazu passt. Alles andere ist halt auf Wirtschaft ausgelegt. Ich glaube, ich mache in Infoblatt *gg*

      Danke Dir und liebe Grüße
      Sandra

      • Shadownlight 6 November, 2017 at 18:52 Reply

        Hey,
        du in dem Alter ist das wohl eher nicht mehr selbstverständlich- die Pubertät kommt in die Gänge….
        Ich finde es eigentlich immer toll, wenn man offen über Dinge redet. Ich biete sowas meinen Schülern (die sind allerdings älter) auch gerne an. Menschen zu konfrontieren ist manchmal keine schlechte Sache :)!
        Komm gut in die neue Woche.
        Liebe Grüße!

        • storfinenblog 7 November, 2017 at 07:48 Reply

          Huhuu,

          Offenheit ist mir auch sehr wichtig. Aber da ist halt dann doch die Pubertät – da ticken sie anders.
          Bisher haben wir für alles eine Lösung gefunden. Das schaffen wir bestimmt auch hier.

          Dir auch eine tolle Woche!
          Viele Grüße

  2. Lagoona 5 November, 2017 at 22:14 Reply

    Ach , Mensch, das ist wirklich eine verzwickte Situation.
    Ich wünsche Dir viel Kraft. Sprich mit ihm so viel du kannst, er soll sich nichts erzählen lassen von seinen Mitschülern, aber Jugendliche können glaube ich auch sehr schrecklich zueinander sein.

    Liebe Grüße
    konzi

    • storfinenblog 6 November, 2017 at 07:34 Reply

      Hallo Du Liebe,

      wir reden schon so viel miteinander. Er darf auch alles sagen und erklären. Ich hab damit ja kein Problem.
      Er ist der Meinung, daß ist privat, weil es ja eine Krankheit ist. Liegt vielleicht auch daran, dass wir immer sagen, dass andere nicht zuviel wissen brauchen und
      der Mensch eine Privatsp#re braucht. Für mich liegt es auch an den Mitschülern. Sonst steht er nämlich zu mir und hat damit überhaupt kein Problem. Egal, was wir unternehmen.

      Liebe Grüße
      Sandra

  3. Häsin 6 November, 2017 at 23:11 Reply

    Liebe Sandra,
    ohne Dir zu nahetreten zu wollen, kam mir beim gedanklichen Durchspielen mehrerer Szenarien die folgende Frage in den Sinn:
    Was spricht dagegen, an den Tagen, wo Du Deinen Sohn fährst, eine deiner Perücken statt des Tuches zu nutzen?

    Ich hab leider die Phantasie, dass ein offener Umgang mit dem Thema nicht bei allen Kids in dem Alter auf „offene Ohren“ und Verständnis stoßen könnte, auch wenn ich grundsätzlich den offensiven Ansatz präferieren würde. Ich hätte Angst, dass Dein Sohn dann zur Zielscheibe wird 🙁
    Ein „sich-unsichtbar-machen“, indem man sich dem Massenbild angleicht, ist zwar defensiv, jedoch auch mit am wenigsten Konfliktpotential behaftet.
    Am einfachsten wäre natürlich, Dein Sohn könnte Dir gegenüber kommunizieren, was er sich wünscht. Aber das wäre ja auch zu leicht 😉

    Kopf hoch – Ihr findet eine Lösung, so oder so!

    Herzliche Grüße

    • storfinenblog 7 November, 2017 at 07:54 Reply

      Huhuu liebe Häsin,

      kein Problem, Du trittst mir da nicht zu nahe. Ich finde es ja gut, wenn sich da jemand Gedanken macht.

      Dieselben Ängste habe ich, wenn es sich um die Konfrontation dreht. Ich möchte es Sohnemann einfach nicht noch schwerer machen.

      Allerdings habe ich auch keinen Grund, mich zu verstecken. Klar könnte ich eine Perücke aufziehen (was ich aber nicht mag, weil einfach unangenehm). Ich könnte auch mit meinen kahlen Stellen fahren. Aber um eben da nichts zu provozieren, habe ich Beanies auf.

      Im übrigen haben auch viele der Schüler Beanies und Kappen auf. Als Accessoire. Da frag ich mich, warum das als „Mama“ anscheinend nicht geht. Vielleicht weht auch daher der Wind. Keine Ahnung – ich steck in den Pubertätern ja nicht drin.

      Inzwischen weiß ich auch, dass es immer wieder dieselben Schüler sind, die das fragen. Vielleicht „schnappe“ ich mir genau die einmal. Ginge Nachmittags ziemlich gut.

      Und wir schaffen das – da bin ich mir auch sicher.

      Liebe Grüße an Dich
      Sandra

      • Häsin 7 November, 2017 at 22:01 Reply

        Hmm… was machen, was Du unangenehm findest (Perücke tragen), sollst Du auch nicht. Das kann ich nachvollziehen.
        Eigentlich bist Du ja dann ziemlich trendy mit den Beanies, wenn es die Kids auch machen. Das ist vielleicht grad deren Problem: von anderen Eltern sind sie es nicht gewöhnt. Und alles „Fremde“ irritiert – es wird geredet.
        Die „Flucht nach vorn“ (die Aufklärung über die Erkrankung) würde ich tatsächlich nur mit Einverständnis Deines Sohnes antreten.

        Ich drück Euch fest die Daumen, dass es bald eine zufriedenstellende Lösung gibt.
        Liebe Grüße

        • storfinenblog 8 November, 2017 at 15:15 Reply

          Danke Dir liebe Häsin!

          Na eben – ich denke schon, dass ich „trendy“ bin. Aber anscheinend darf ich das nicht. Sind sie wohl von Erwachsenen nicht so gewohnt.
          Noch dazu bin ich eine der jüngeren Mütter aller Eltern. Wenn ich da mit anderen Eltern verglichen werde, kann es auch daran liegen.

          Das wird bestimmt!
          Liebe Grüße an Dich

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